


Besucherinformation | Über den Trägerverein | Kontakt | "Eine Schule als KZ"
KZ Gedenkstätte Sandhofen:
H. Mossakowski, ehemaliger Häftling am 05.09.1989:
«Ich habe mich bemüht, soweit ich konnte, das, woran ich mich erinnere, zu sagen und die ganze Wahrheit mitzuteilen.»
J. Wojciewski, ehemaliger Häftling am 05.09.1989:
«Die Polen vergessen erlittenes Unrecht immer schnell. Ich habe zwei Söhne, 32 und 25 Jahre alt, die können das, was ich erzähle, nicht glauben.»
1949
Am 1. Oktober 1949 wird die wieder aufgebaute Schule eingeweiht und erhält mit "Gustav-Wiederkehr" den Namen eines Mannheimer Reformpädagogen der 20er Jahre. Bei der Eröffnungsfeier ist von der Vergangenheit als KZ keine Rede.
1968
Die zur Aufklärung von NS-Verbrechen 1960 gebildete "Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltung" nimmt 1968 Vorermittlungen zu den im KZ-Außenlager Mannheim-Sandhofen begangenen Verbrechen auf. Durch eine Anfrage an die Stadt Mannheim erhält die Stadtverwaltung von der Existenz eines KZ-Außenlagers offiziell Kenntnis. Diese Kenntnis dringt nicht in die Öffentlichkeit.
1978
Der Stadtjugendring Mannheim e.V. erfährt Ende der 70er Jahre von der Existenz eines KZ-Außenlagers in Sandhofen und recherchiert weiter. Dabei wird er auf die von Angelika Schmitt an der PH Ludwigsburg 1976/77 verfasste Zulassungsarbeit mit dem Titel "Die Geschichte des Konzentrationslagers Mannheim-Sandhofen" aufmerksam. Im Zusammenhang mit einer Kranzniederlegung des Stadtjugendrings am Volkstrauertag 1978 wird die Mannheimer Öffentlichkeit erstmals wieder über den "Mannheimer Morgen" über die Existenz dieses Lagers informiert.
1982
Am 7. März 1982 wird die erste offizielle Gedenktafel in einer Feierstunde, bei der es zu einem Eklat kommt, enthüllt.
Mannheimer Morgen, am 08.03.1982:
«"Das ist ein Skandal", empörte sich Bundestagsabgeordneter Dr. Josef Bugl (CDU), der gemeinsam mit dem Großteil der Zuhörer unter Protest die Turnhalle der Gustav-Wiederkehr-Schule während einer Rede von CDU-Stadtrat Heinrich Kirsch verlassen hatte. Anlaß des Treffens war die Übergabe einer Gedenktafel gewesen, die an die Häftlinge der ehemaligen KZ-Außenstelle Sandhofen erinnern sollte. Nachdem Oberbürgermeister Wilhelm Varnholt, Bundestagsabgeordneter Werner Nagel (SPD) und der Generalkonsul der Volksrepublik Polen, Botschaftsrat Kazimierz Kós, gesprochen hatten, trat Heinrich Kirsch ans Rednerpult. Er stellte als erstes die Frage: "Was soll das noch nach so langer Zeit?". Wer gehofft hatte, dass die Antwort sachlicher ausfallen würde, sah sich schon bald getäuscht. Kirsch wehrte sich entschieden dagegen, Menschen, die "unfreiwillig eine KZ-Außenstelle vor die Tür gesetzt bekommen haben" schuldig zu sprechen, wenn sie an diese Zeit nicht erinnert werden wollten. Er sprach von 16 Sandhöfern, die beim Einmarsch der Amerikaner ihr Leben lassen mussten und meinte, die Deutschen hätten selbst genügend Opfer zu beklagen gehabt und fragte schließlich: "Was erwartet man eigentlich von Menschen, die in den letzten Kriegstagen genug mit sich selbst zu tun hatten?". Zu diesem Zeitpunkt wurde Protestgemurmel laut, baten die Zuhörer "Aufhören", erhoben sich die ersten. Schon kurz danach waren nur noch einige Stuhlreihen besetzt, die meisten, darunter der Großteil der Prominenz, waren nach draußen gegangen. [...] Nach dem Protest gegen die Rede von Stadtrat Kirsch (SPD-Fraktionsvorsitzender Gerhard Widder: "Wir schämen uns alle") traf sich die Menge an der Gedenktafel. Mehrere Organisationen legten Kränze nieder.»
Stadtrat Heinrich Kirsch, aus der Rede vom 07.03.1982:
«Da stellt sich doch die Frage: Was soll das, nach so langer Zeit? Und in der Tat, seit Bekanntwerden dieser Absicht wurde ich wiederholt daraufhin angesprochen, was soll das?
Ist es nicht verständlich, wenn der Kampf um Sandhofen und die 16 Toten in unseren Straßen die Erinnerung an die Zwangsarbeiter zurücktreten ließ? Warum sollen die Menschen, denen all das Furchtbare des Krieges und der Tyrannei aufgezwungen wurde, sich auch noch schuldig fühlen, wo sie doch nur gelitten haben?»
CDU-Fraktion, Stellungnahme vom 09.03.1982:
«Die CDU-Fraktion hat am Tage danach mit Herrn Kirsch seine Rede durchgesprochen. Dabei ist deutlich geworden, dass Herr Kirsch Formulierungen verwendete, die bei einem großen Teil der Zuhörer missverständlich aufgenommen werden mussten. Herr Kirsch bedauert dies.»
1987
Nach der Enthüllung der Gedenktafel gibt es in der Stadt und insbesondere in Sandhofen eine sehr kontroverse und emotional geführte Diskussion um die Notwendigkeit und die Form der Erinnerung an das KZ Sandhofen.
Trotz aller Proteste und Einwände beschließt der Hauptausschuss des Mannheimer Gemeinderats auf Betreiben des Stadtjugendrings e.V. und des DGB am 6. Oktober 1987 die Einrichtung einer Dokumentationsstätte in den Kellerräumen der Gustav-Wiederkehr-Schule.
12.11.1990
Einweihung der Gedenkstätte Sandhofen, Gedenk- und Dokumentationsstätte für das Außenlager des KZ Natzweiler in Mannheim-Sandhofen 1944/45.
1991
Aus dem Arbeitskreis Gedenkstätte Sandhofen gründet sich der Verein KZ-Gedenkstätte Sandhofen, der bis heute die Verantwortung für die Gedenkstätte in organisatorischer und inhaltlicher Hinsicht trägt (siehe Über den Trägerverein).
Frau L., 1987:
«Ich liebe dieses Sandhofen, deshalb bin ich gegen diese Dokumentationsstelle.»
Herr S., 1986:
«In Sandhofen handelte es sich nur um ein nächtliches Übernachtungslager für die Zwangsarbeiter aus dem KZ Natzweiler-Struthof.»
Herr B., 1982:
«Man sollte doch letztendlich zu der Einsicht kommen, dass nach fast 40 Jahren diese Gedenkfeiern nicht mehr sehr sinnvoll sind und wenig nutzen, außer das eigene Nest zu beschmutzen.»
Herr U., 1982:
«Würden wegen jedem Völkerverbrechen dauernd Gedenkfeiern abgehalten werden, die Welt käme aus dem "Feiern" gar nicht mehr heraus. »
Herr S., 1986:
«Hier wird einfach ohne Abstimmung und ausführlicher Information der Bevölkerung aus unserem Ort eine KZ-Gedenkstätte gemacht. [...] Das ganze wird von mir wegen der sehr eigenartigen Information aller als eine Nacht-und-Nebelaktion verstanden. Hätte man mich [...] befragt, wäre ich gegen eine solche Einrichtung, da niemand garantieren kann, ob vielleicht irgendwelche Gruppen ständig gegen diese Einrichtung demonstrieren, egal in welcher aktiven oder passiven Art, und wir um die Sicherheit unserer Kinder in der Schule besorgt sein müssen.»
Herr W., 1982:
«Als sie seinerzeit den Mann im Schulhof aufhängten, habe ich das mitbekommen. Da gab es im Scharhofer Weg ein Haus im Rohbau, da standen wir im oberen Stock und haben auf den Schulhof hinübergeschaut.»
Frau T., 1988:
«In Sandhofen wehren sie sich gegen das Museum, das ist eine Sauerei. Es ist doch nicht verkehrt, das der Jugend zu zeigen.»
Herr N., 1989:
«Seltsamerweise erinnern sich Bürger, die damals unmittelbar neben dem KZ wohnten und teils heute noch dort wohnen, nicht mehr an Vorgänge in diesem Lager. Sie leugnen sogar, gewusst zu haben, dass es ein "Straflager" war, in dem gequält, geschändet und gemordet wurde.»
Herr J., 1982:
«Was ich nicht verstehe, ist, dass es 30 Jahre dauerte, bis man eine Gedenktafel errichtet hat, und dass die Menschen so ein Theater darum machen.»
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