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KLARTEXT - Was willst DU eigentlich? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Madeleine   

Die Regeln sind einfach: Jeder darf immer 90 Sekunden reden. Jetzt erklären Sie uns bitte, wieso wir Sie wählen sollen!?

Heute, am 16.05.2007 um 11:00 fand im FORUM Jugendkulturzentrum eine Podiumsdiskussion mit den vier Oberbürgermeisterkandidaten Siegfried Ulbrich (parteilos), Ingo Wellenreuther (CDU), Dr. Peter Kurz (SPD) und Wolfgang Raufelder (Grüne) statt.

Initiiert wurde die Aktion KLARTEXT vom Stadtjugendring Mannheim e.V. und seinen Jugendverbänden. 
Das Projekt lief an und entwickelte sich großartig. Der Politik LK des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums und das Carl-Benz-Gymnasium hatten sich mehrere Male mit Lehrern und den Initiatoren Jürgen Brecht, Karlheinz Paskuda und Manfred Shita zusammengesetzt und auf diesen Tag hingearbeitet. Der Tag der ersten Podiumsdiskussion im FORUM, die von Schülern selbst moderiert wurde.
In gegenseitiger Absprache halfen sich die Schulen immer wieder: Zusammen gestalteten sie den Fragebogen und den Ablauf des Projekts. Vom 30.04. bis zum 12.05. wurde die Mannheimer Jugend auf www.klartext-mannheim.de einen Fragebogen zu verschiedenen Themen befragt. Die Ergebnisse wurden den OB-Kandidaten vorgelegt und anhand daran die Diskussion geleitet.
Das Carl-Benz-Gymnasium war für Logo, Flyer, und Plakate zuständig (letztendlich entschied man sich für den Flyer von Simon Mehtsun) und das Bach-Gymnasium für die Podiumsdiskussion. Sandra Faschingbauer und Marc Leuthardt moderierten.

Die Auswertung des Online-Fragebogens ergab folgende Tendenz:
- Das schlechteste Ergebnis zeigte sich bei der Frage, ob sich die Mannheimer Jugend mit Ihren Interessen von den Politikerinnen und Politikern ernstgenommen  fühlt. Bei einer Benotung von 1 bis 6 (1=sehr gut, 6= sehr schlecht) ergab sich der Durchschnitt von 4,07, also gerade einmal ausreichend!
- 46% von 216 befragten Jugendlichen zwischen 14 und 18 haben starke oder sehr starke Angst davor, später einmal keinen Arbeitsplatz zu finden.
- Das Angebot an Bolzplätzen und Skateranlagen bekam gerade einmal eine 3,44, also befriedigend bis ausreichend!
- Das Gefühl der nächtlichen Sicherheit wurde mit einer 3,64 bewertet!

Erschreckende Tatsachen mit denen die OB-Kandidaten heute morgen also konfrontiert wurden. Was sie zu ändern gedenken versuchten sie der Jugend direkt zu sagen.


Impressionen des Mannheimer Alltags lieferten die Schüler des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums mit einem kleinen Film: Eingezäunte und abgesperrte Bolzplätze, besprayte Wände, Müll überall!

Die Kandidaten:

Siegfried Ulbrich ist 57 Jahre, er hat sechs Kinder. Das älteste ist 37 und das jüngste 14 Monate. Er ist selbstständiger Einzelhändler und scheint ein Mann mit viel Erfahrung zu sein, der mit beiden Beinen auf festem Boden steht. Weil er etwas ändern wollte, beschloss er Politik zu machen. Sein Kollege Wolfgang Raufelder beschrieb ihn als kreativ und mannemerisch. Er selbst meinte, die Jugend von heute sei die Zukunft, die Hoffnung, aber auch die Leidtragende, die Verliererin der Gesellschaft. Er selbst kriege es ja von seinen Kindern mit.
Um die Jugend in das politische Geschehen und in die Willensbildung einzubinden, möchte er einen Jugendrat einrichten, sich mit der Jugend genauestens auseinandersetzen, um deren Sprache zu verstehen. Doch bei allem Respekt: Wer sechs Kinder hat, die alle einer anderen „Generation der Jugend“ angehören, weiß doch, was die Jugend möchte!? Vor allem, was das Nachtleben angeht. Herr Ulbricht hatte jedoch keine Antwort darauf, wie man dies attraktiver gestalten könnte.
Nichtsdestotrotz will er um der Jugend die Angst vor der beruflichen Zukunft zu nehmen, mit Handel und Industrie sprechen und mit ihnen gemeinsam Arbeitsplätze schaffen.

Herr Wellenreuther sieht die Jugend als interessiert an Gesellschaft, als engagiert, doch leider nicht von der Politik begleitet an. Auch als irritiert bezüglich der mangelnden Angebote. Er selbst ist 47 Jahre, hat Jura studiert, war daraufhin Staatsanwalt und dann Richter. Jetzt versucht er sich als Oberbürgermeisterkandidat, in dem er viel vor Ort ist. Er sieht sich die Lage der Stadt und vor allem der Jugend an, erkennt ihre Probleme und möchte ihnen helfen. Aber mitbestimmen darf die Jugend wohl nicht!?
Herr Wellenreuther scheint sehr viel Wert auf Bewegung zu legen. Die Jugend könne nicht nur zuhause vor dem PC sitzen, er selbst sei als Kind immer draußen gewesen und das sei wichtig.
Ihm wurde dann jedoch eine sehr interessante Frage gestellt. In seinem Programm stehe, er wolle eine Brücke von Altrip nach Mannheim bauen- mitten durch ein Naturschutzgebiet! Doch der CDU-Kandidat sträubte sich, er hätte nichts von einer Brücke gesagt. Es könne auch ein Tunnel sein. Natürlich werde er versuchen den ganzen Prozess so umweltschonend wie nur möglich zu gestalten. Doch der Frager aus dem Publikum wusste es besser, er kenne die Pläne und der Bau eines Tunnels sei nicht möglich.
Das versteh mal einer! Ein Bau einer Brücke oder einer Straße soll umweltschonend verlaufen? Der Schwerlasttransport, sowie der normale Verkehr, würde auch nicht in diesem besagten Naturschutzgebiet landen? Der Bau dieser Straße würde das Naturschutzgebiet auch nicht zerstören, platt machen?
Ingo Wellenreuther weiß genau, wo der Nagel hängt! Früher war alles besser! Jedenfalls das Nachtleben, sagt er. Man wäre gerne nach Mannheim gekommen. Doch jetzt müsse man dringend etwas ändern. Was jedoch, weiß er auch nicht. Doch nächtliche Schlägereien sowie auch die Drogenszene möchte er mit verstärktem Polizeieinsatz verbessern. Der Gedankenanstoß aus dem Publikum, Zivilcourage und Gewaltprävention mehr zu fördern, gefiel dem Herrn CDU-Kandidaten. Denn „Sicherheit, Disziplin und Ordnung“ lägen doch gerade der CDU am Herzen, wie jemand aus dem Publikum verlauten ließ.
Im Gegensatz zu seinen Mitkandidaten, die keine Neuverschuldung der Stadt mehr ab 2012 wollen, stellt er die Uhr auf 2010. Doch da meldete sich eine „eloquente“ junge Dame, wie er sie nannte, und fragte, was denn dann vorgehe, die Gemeinde oder die Jugend. „Fangfrage!“, meinte er nur und redete um den heißen Brei herum.
Aber der Jugend die Angst vor der Zukunft nehmen, möchte er. Kreativität gelte es zu fördern, die Sozialarbeit zu verstärken und Perspektiven zu schaffen.

Herr Dr. Peter Kurz beschreibt die heutige Jugend als realistisch, ebenfalls als engagiert und werteorientiert. Sie sei sich durchaus der heutigen Lage bewusst und Werte wie Freundschaft und Ehrlichkeit seien wichtig. Er selbst lege großen Wert darauf in Mannheim geboren zu sein, sei schon in seiner Jugend politisch engagiert in SMV und Schülerzeitung gewesen. Er ist 44 und seit acht Jahren Bürgermeister für Bildung, Kultur und Sport.
Was Herr Kurz für das politische Einbinden der Jugend tun will, konnte er aus zeitlichen Gründen nicht ausführen. Jedoch sprach er das Problem an, dass das kommunalpolitische Instrument der Bürgerbeteiligung, „die Bürgerversammlung“, die Jugend nicht anspreche. Deshalb wolle er die Verständigung online regeln.
Zu den mangelnden Bolzplätzen meint Peter Kurz, müsse man sich mit dem DFB auseinandersetzen, aber er werde sein Möglichstes tun, um zu vermitteln. Denn abgesperrte Bolzplätze, die nur von dann und dann für Kinder und Jugendliche in dem und dem Alter zugänglich sind, seien untragbar.
In Sachen Sicherheit möchte Kurz die Polizeipräsenz deutlich verstärken und sich vor allem um die Straßenbahnlinie 1 kümmern, die in den letzten Jahren so in Verruf geraten sei.
Herr Peter Kurz ist glücklich, dass Baden-Württemberg mit 5% eine so niedrige Zahl an Jugendarbeitslosigkeit hat, wie kein anderes Bundesland. Trotzdem will er bei der Stadt Mannheim weitere 200 Arbeitsplätze schaffen und natürlich auch die Bildung fördern.

Wolfgang Raufelder empfindet die Mannheimer Jugend als weltoffen und tolerant. Wie er jedoch behaupten konnte, sie sei durchaus umweltbewusst nach eben diesen Bildern, die die Schüler des Bach-Gymnasiums in ihrem Film zeigten, kann ich nicht verstehen! Vielleicht fühlte er sich als Kandidat für die Grünen dazu verpflichtet.
Herr Raufelder sprach sich eindeutig für einen Jugendgemeinderat aus. Es sollten auch regelmäßig Politiker anwesend sein, die die Meinungen der Jugend in den Gemeinderat tragen würden. Nach einer gewissen Zeit wolle er dann ein Feedback haben, wie die Jugend mit ihren Mitentscheidungsrechten zufrieden sei. Außerdem sollte dieser Jugendgemeinderat  ein gewisses Budgetrecht bekommen.
Darüber hinaus findet Herr Raufelder, dass Jugendtreffs eine sehr wichtige Funktion haben. Da kam im Publikum die Frage auf, wieso denn dann der Jugendtreff im Friedrichspark abgerissen werden soll. Doch eben dies schien die richtige Frage für den OB-Kandidaten der Grünen zu sein. Denn die Baustoffe des Friedrichsparks entsprächen nicht mehr den Normen, sie seien gesundheitsschädigend. Deswegen solle der Friedrichspark abgerissen werden und eine Grünfläche entstehen.
Raufelder ist in Sachen Sicherheit doch eher derjenige, der weder für eine stärkere Polizeipräsenz ist, noch für eine Videoüberwachung der ganzen Stadt. Er möchte, dass man sich als Jugendlicher abends in Mannheim wieder wohlfühlen kann. Vor allem in der Straßenbahnlinie 1, deshalb ist er für die Wiedereinführung von Begleitern, die die Bahnen überwachen. Außerdem solle der Kommunale Ordnungsdienst der Polizei „unterstellt werden“, dass diese lernen, wie sie richtig handeln. Dieser solle sich dann nachts an den Brennpunkten aufhalten und aufpassen. Um herauszufinden, wo diese Brennpunkte sind, möchte Wolfgang Raufelder die Jugend fragen.
Bezüglich des Baus eines neuen Kohlekraftwerkes war er der einzige der anwesenden Kandidaten, der ein klares „Nein!“ äußerte. Eben die Antwort, die ein Grüner von sich gibt oder geben muss, wenn er so etwas gefragt wird. Wieso ist eigentlich gar keine Frage, doch trotzdem sollte er seine Meinung inhaltlich begründen. Also erzählte er von der Angst vor der Hitze. Wir müssten endlich den Hebel umlegen. Deshalb möchte er die regenerativen Energien ausbauen und so auch Arbeitsplätze für die Zukunft schaffen.
Um jedoch der Jugend die Angst vor ihrer Zukunft zu nehmen, möchte Herr Raufelder Handwerk und Bildungsbereiche verbinden, zu Betrieben gehen und so vor Ort über die Schaffung von Arbeitsplätzen sprechen.

Das jugendliche Publikum durfte wählen. Einmal vor der Diskussion und einmal danach. Vor der Podiumsdiskussion fiel die Wahl eindeutig für Herrn Peter Kurz aus. Danach jedoch für Herrn Wellenreuther.
Ich spare mir jegliches Kommentar, bis auf:

Am 17.06.2007 wird’s ernst, Leute!
Vorab könnt Ihr schon mal bei unserer aktuellen MaJO-Umfrage zur OB-Wahl teilnehmen.

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