Sicherlich hat Mannheim einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten, doch eine Sehenswürdigkeit zieht nicht nur Heidelberger Touristen, sondern auch jede Menge Studenten/innen in die Stadt der Quadrate – die Uni Mannheim. Passend singt bereits Chris Cosmo in seinem Song “In Mannheim weint man zweimal“: „Hier gibt’s nur BWL Studenten mit zugeknöpften Hemden in der Hose, assi Prolls, die dumm rum posen, ... die Uni ist Barock, die Akademie ist Pop und auf Musik hat jeder Mannheimer Bock.“ Was hinter der barocken Fassade steckt, erfahrt ihr hier.
Mannheim wandelt sich immer mehr zu einer der beliebtesten Studentenstädte Deutschlands. Zugegeben, im Vergleich zu dem Münchener oder Berliner Flair rangiert Mannheim eher auf den hinteren Plätzen, doch dafür liegt Mannheim in Sachen Forschung, vor allem in den Bereichen Medizin und BWL, ganz weit vorne. Man muss dem guten Herrn Cosmo in zwei Punkten also durchaus Recht geben: Die Uni Mannheim ist durch und durch eine Wirtschaftsuni, aus der ab und zu, mehr als gewünscht, die personifizierten Vorurteile der Fakultät BWL mit hochgestelltem Kragen und scheinbar angewachsenem Mac entspringen.
Nun hat nicht jeder den Wunsch Wirtschaftspädagoge, Consultant in einer Unternehmensberatung oder Steuerberater/in zu werden. Doch unter den insgesamt 11.000 Studenten, die sich momentan an der Uni tummeln, gibt es einen beträchtlichen Teil, der fernab von Marketing, Management und Betrieblichem Rechnungswesen, die Grundlagen für den späteren beruflichen Erfolg erlernt. Mannheim bietet euch 50 verschiedene Studiengänge, die zum größten Teil Bachelor-, jedoch auch Lehramt – und Masterstudiengänge sind. Dazu gehören zum Bespiel Anglistik, Germanistik, Medien – und Kommunikationswissenschaften, Betriebswirtschaftslehre, Kultur und Wirtschaft, Psychologie, Soziologie, Unternehmensjurist, Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftspädagogik. Wer nach 13 Jahren Schule und etlichen Jahren Uni, wieder zu den Wurzeln zurückkehren möchte, der hat in Mannheim die Möglichkeit Deutsch, Mathe, Englisch, Französisch, Spanisch, Geschichte, Ethik oder Politik auf Lehramt zu studieren.
Wirtschaft ist und bleibt also das Vorhängeschild der einstigen, vom Mannheimer Bürgertum gegründeten Handelshochschule und immerhin gibt es seid dem Herbstsemester 2009 wieder 300 neue BWL-Studenten, die sich mit Wirtschaftstheorien und mathematischen Formeln zur Analyse wirtschaftlicher Prozesse die letzten Teile ihres noch in den paradiesischen Sphären der Schulzeit schwebenden Gehirns zustopfen.
„Herbstsemester“, „Bachelor“, „Master“, „paradiesische Schulzeit“? Da ich seid dem Herbstsemester 2009 selbst zu diesen 300 Studenten gehöre, deren Gehirnzellen aufgrund der Semesterferien momentan eine Pause von Analysis, Finanzmathe, Lineare Algebra, Management, Betrieblichem Rechnungswesen und VWL machen dürfen, weiß ich aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass man sich als Schüler am liebsten ein Wörterbuch für angehende Studenten zulegen möchte. Ein kleiner Crashkurs gefällig? Laut der wohl bekanntesten freien Enzyklopädie des world wide web ist der Bachelor „der erste akademische Grad, der nach Abschluss einer wissenschaftlichen Ausbildung vergeben wird.“ Für mich als Studentin ist der Bachelor das G8 der Uni und war zu Recht Teil der Diskussion zwischen protestierenden Studenten und Bildungspolitikern, die wohl das gleiche Problem haben, welches Absolventen der Uni oft nachgesagt wird: In der Theorie viel Ahnung, aber in der Praxis eher wenig. Der Bachelor umfasst 6 Semester und setzt dem „ewigen Studentenleben“, das das Diplom oft mit sich brachte, endgültig ein Ende. An der Uni Mannheim könnt ihr entweder den Bachelor of Science oder den Bachelor of Arts erlangen, wobei es jedem zu empfehlen ist, im Anschluss einen Masterstudiengang zu belegen, da ein Student mit einem Bachelor Abschluss im direkten Vergleich mit einem Studenten, der noch sein Diplom gemacht hat, im Nachteil ist. Vor allem in Fächern wie BWL ist der Bachelor oftmals darauf ausgelegt euch ein breites Allgemeinwissen zu vermitteln, was als Grundlage für einen erfolgreichen Start in das Berufsleben äußerst positiv sein kann. Wer jedoch sein Wissen in einer bestimmten Richtung vertiefen möchte, der sollte auf jeden Fall seinen Bachelor durch einen Master of Science oder Arts aufwerten.Wichtig ist jedoch zu wissen, dass je nach Studiengang Wahlmöglichkeiten innerhalb des Bachelors bestehen. Abhängig von eurer Studienwahl könnt ihr bereits innerhalb des Bachelors Schwerpunkte setzen. Sollten ihr euch jedoch für Betriebswirtschaftslehre entscheiden, könnt ihr lediglich entscheiden, ob ihr Vorlesungen, Übungen und Tutorien besuchen wollt – eine Prüfung schreiben müsst ihr am Ende des Herbst- oder Frühjahrsemesters auf jeden Fall – und das in jedem Fach! Sicherlich mag es reichen eine 4,0 zu schreiben um die benötigten Credits zu bekommen, für einen guten Studienabschluss reicht dies aber keineswegs!
Auch wenn dieses System nicht nur an der Uni Mannheim seine Anwendung findet, ist es ein Punkt, der die Uni von der FH Mannheim unterscheidet. Im Schloss sind die Studenten nicht nur auf der Jagd nach Punkten, sondern von Beginn an auch nach guten Noten. Ein weiterer Punkt, der dazu führte, dass sich die Uni Mannheim von allen anderen Unis in Deutschland abhebt, war die Einführung des Herbst- bzw. Frühjahrssemesters. Wer in Mannheim studiert, hat immer dann Semesterferien, wenn alle anderen Prüfungen schreiben. Eine Tatsache, die sowohl positive als auch negative Aspekte mit sich bringt. Da an der Uni Mannheim in den meisten Studiengänge alle Prüfungen in den zwei Wochen vor Weihnachten(Herbstsemester) geschrieben werden, habt ihr zum einen keine Winterferien um den Stoff, der weitaus größere Ausmaße als der Abistoff annimmt, zu lernen und zum anderen müsst ihr euch Wohl oder Übel daran gewöhnen gemeinsame Urlaube mit Studienfreunden von anderen Unis auf eine Zeit nach dem Studium zu verschieben. Andererseits könnt ihr ein ganz entspanntes Weihnachten und Silvester genießen und solltet ihr euch dazu entscheiden, euer Auslandssemester in den USA zu verbringen, könnt ihr ohne zeitlichen Überschneidungen oder zu große Pausen zwischen den Semestern im In- und Ausland, das dortige Studentenleben beginnen.
Ich persönlich habe meine Schulzeit äußerst positiv in Erinnerung und ich weiß, dass man es als Schüler kaum glauben kann, dass einem nach dem Abi irgendwann im Leben noch mal eine so umfassende und lernintensive Prüfung erwarten wird, doch diese Prüfung erwartet euch als Student/in zweimal im Jahr und zwar umfassender und lernintensiver als irgendeine Abiturprüfung überhaupt sein kann. Vielleicht motiviert euch ja das Zitat von Danny Kaye „Es gibt zwei Möglichkeiten Karriere zu machen: Entweder leistet man wirklich etwas, oder man behauptet, etwas zu leisten. Ich rate zur ersten Methode, denn hier ist die Konkurrenz bei weitem nicht so groß.”
Was die Uni Mannheim euch neben eurem Studium alles anbietet, wo man essen gehen sollte und warum ein Studium an der Uni Mannheim oftmals mit viel Ausdauer verbunden ist, erfahrt ihr im zweiten und dritten Teil meines kleinen Unireports.