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Thermosocken für Kaiserpinguine? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Ann Kristin   

Einmal Weißanstrich für Deutschland! Für die einen künstlerisch schön und zauberhaft winterlich, für die anderen ein chaotischer und rutschiger Fehlanstrich von Mutter Natur – der Winter kam schon vor Weihnachten und nach einer kurzen Verschnaufpause im neuen Jahr, ist er nun mit viel Elan zurückgekehrt. Ein Winter mit Temperaturen bis zu -25°C scheint rekordverdächtig, den Alltag bei -50°C zu bestreiten, ist definitiv kaiserlich meisterhaft.

Am Südpol gibt es einen dauerhaften Trend: barfuss ist auch bei Temperaturen von bis zu -50°C und Winden, die die kleinen Füße mit Geschwindigkeiten um die 250 km/h umsausen, absolut „In“. Kaiserpinguine besiedeln eben diesen südlichsten, kältesten, aber auch äußert artenreichen Lebensraum der Erde. Hier regiert schwarz-weiß die tierische Haute Couture und kaiserliche XXL Models sind gefragter denn je. Wenn Pünktlichkeit die Höflichkeit der Könige ist, dann ist sie für die kaiserlichen Spitzensportler der Antarktis lebensnotwendig. Hier fünf streng geheime Tricks der Skippers, Privates, Ricos und Kowalskis der Antarktis.

1. Kaiserliche Größe bei kleiner Oberfläche. Kaiserpinguine sind die größten ihrer Art und leben als solche in einer der kältesten Regionen der Erde. Dieses Phänomen kommt in der Natur nicht selten vor. Da sich bei veränderter Größe das Verhältnis von Oberfläche und Volumen der Tiere stark verändert, ist es Kaiserpinguinen möglich, einen großen Teil ihre Körperwärme aufgrund einer relativ geringern Oberfläche bei großem Volumen, zu speichern. Kleinere Pinguine, wie zum Beispiel der Brillenpinguin, haben im Vergleich zu ihrer Körpergröße eine relativ große Oberfläche, die es ihnen ermöglicht bei heißen Temperaturen vermehrt Wärme über den Körper abzugeben. Kubisches Volumenwachstum (cm³) bei quadratischem Oberflächenwachstum (cm²) nennt sich dieses kleine, mathematisch begründbare Wärmewunder, das Kaiserpinguine eiskalt ausnutzen.

2. Ein Neoprenanzug aus Federn und Drüsensekret. Jeder Vogel befindet sich in bestimmten Zeitabständen in der Mauser. Dabei bilden sich innerhalb des prächtigen Gefieders kahle Stellen, die erst nach einiger Zeit mit neuen 800px-diving_emperor_penguinFedern bedeckt werden. Während also die meisten Vogelarten unter gelegentlichem „Haarausfall“ leiden, haben Kaiserpinguine zu keiner Zeit einen Verlust zu beklagen. Ihr dichtes Federkleid schützt sie nämlich vor den eisigen Temperaturen der Antarktis und dient gleichzeitig als wasserabweisender Neoprenanzug, der Schneeflocken oder Wassertropfen elegant an ihrem Gefieder abperlen lässt. Da Kaiserpinguine jedoch zu der Klasse der Vögel gehören, bleiben auch sie nicht von der Mauser verschont. Bei Kaiserpinguinen bilden sich die neuen Federn jedoch bereits bevor die alten Federn ausfallen. Hier wird alt durch neu verdrängt und somit ein dauerhaftes Federkleid garantiert, das mit Hilfe des Sekrets aus der Bürzeldrüse der Tiere kurzerhand zum wasserdichten Neoprenanzug revolutioniert wurde.

3. Der schickste Tarnanzug der Welt. Der Watschelgang der Pinguine bringt  zugegebenermaßen eine gewisse Komik mit sich, doch sobald die elegant gekleideten Tiere abtauchen, wird deutlich, dass der Wechsel von Luft zum Wasser, ein äußerst gekonnter Schachzug der Natur war. Während Kaiserpinguine an Land keine Feinde besitzen und daher auf die Möglichkeit per Blitzstart in die Lüfte ihren Feinden entkommen zu können, nicht angewiesen sind, erwartet sie im Wasser der reine Festtagsschmaus. Der Elementswechsel war also überlebensnotwendig. Der schwarz-weiße Frack der Pinguine erweist sich bei ihren Tauchgängen zudem als äußerst praktisch, da er die Tiere von oben her vor Feinden schützt und für ihre Beute beinah unsichtbar werden lässt. Wie das möglich ist? Wirft man aus der Vogelperspektive einen Blick auf die Weiten des Ozeans wird man feststellen, dass das Wasser an seiner Oberfläche äußerst dunkel, beinah schwarz, erscheint. Taucht man jedoch in die Untiefen der Meere ab und wirft einen Blick nach oben, scheint es so, als habe sich die Sicht, begünstigt durch die Sonneneinstrahlung von oben, deutlich erhält. Dieses Farbenspiel des Wassers verleiht dem eleganten Frack der antarktischen Spitzentaucher eine, für Fische und Krebstiere, durchaus gefährliche Komponente.

4. Ein Tier, nach dem man die Uhr stellen kann. Kaiserpinguine (über)leben nicht nur in dem Eispalast der Erde, sie pflanzen sich auch genau dort fort. Nur ein einziges Ei legt das Kaiserpinguinweibchen, bevor es sich auf den Weg zur Futtersuche macht. Das Männchen bleibt dabei bis zu zwei Monate kaiserpinguine_mit_jungenmit den übrigen Pinguinmännchen auf dem Festland zurück und brütet, vor den eisigen Winden durch die Kolonie geschützt, das Ei auf seinen Füßen, bedeckt von seiner Bauchfalte, aus. Während dieser Zeit verliert das Männchen bis zu 50 % seines Körpergewichtes und muss daher bei der Rückkehr des Weibchens sofort auf Nahrungsjagd gehen. Dabei ist das Männchen darauf angewiesen, dass das Weibchen mit den Futtervorräten für das bald schlüpfende Küken pünktlich zurückkehrt. Ist dies nicht der Fall, muss das Männchen das Ei in der Kälte zurücklassen, um selbst überleben zu können. Das kleine Küken erfriert dann in wenigen Minuten.

5. Kalte Füße sind überlebensnotwendig. Kaiserpinguine haben ständig kalte Füße und das muss so sein. Extremitäten, wie Arme und Beine,  gehören zu den Schwachpunkten im Wärmehaushalt der meisten Tiere. Über Ohren, Hände und Füße geht ein Großteil der Wärme, die unbedingt im Innern des Körpers benötigt wird, verloren. Bewegen sich Pinguine jedoch auf dem Festland wäre es für diese verständlicherweise äußerst unpraktisch, warme Füße zu haben, da als Konsequenz der trittfeste Schnee unter deren Füßen schmelzen würde. Pinguine verfügen daher über einen speziellen Blutkreislauf, der es ihnen ermöglicht, das arterielle Blut, das vom Herzen in die äußeren Bereiche des Körpers gepumpt wird, mit Hilfe der parallel verlaufenden Venen, die das vergleichweise kalte Blut in das Innere des Körpers transportieren, abzukühlen. Das venöse Blut, das in das Innere des Körpers gepumpt wird um die Organe mit wichtigen Stoffen zu versorgen, wird dabei im Gegenzug erwärmt. Thermosocken für die Pinguinfüße sind also nicht nur unnötig, sondern auch hinderlich für die Reinhold Messners der Antarktis.

Wenn also die 4 Topagenten aus dem Film Madagaskar bei ihrer Ankunft am Südpol schockiert von der Eiseskälte und den stürmischen Winden, schneller als gedacht, den Abflug antreten, liegt dies nicht daran, dass sie dort nicht überleben könnten. Vielleicht gefällt es ihnen einfach besser mit Sonnebrand am Strand von Madagaskar zu liegen. Eine Vorliebe, die sicherlich viele mit den vier teilen werden.

» 3 Kommentare
3Kommentar
am Donnerstag, 11. Februar 2010 20:00von Mike
Fantastic 4? X-Men? Vergesst es, hier kommen die Superpingus! Was wahre Fans von Skipper und Co schon lange wussten, wurde hier unterhaltsam und informativ berichtet: der wahre Superheld ist klein, trägt Frack und hat einen auffälligen Watschelgang. Was macht es da, dass unsere schwarz-weissen Lieblinge nicht fliegen können...das kann Batman schlieslich auch nicht und der Knuddelfaktor liegt bei den Frackträgern ungleich höher. Die Kernaussage des Artikels? ....klar...Pingu rules !!!!
2Kommentar
am Mittwoch, 10. Februar 2010 14:21von Manni
Ich finde den Artikel nicht nur coll, ich finde ihn einfach klasse! Selten ist Biologie so elegant und flüssig erklärt worden - da macht lesen richtig Spaß. 
Willst Du nicht mal Schulbücher schreiben??
1Kommentar
am Sonntag, 31. Januar 2010 21:09von Berti Vogts
haha - cool!
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