Ehrenamt – das ist etwas Lobenswertes. Und weil Lob gut ist, aber ein gutes Essen besser, lädt der Stadtjugendring Ehrenamtliche einmal im Jahr zu einem Festmahl ein. Wer warum wie diniert - hier die Details dieses leckeren Insidertreffs...
Ich betrete in festlicher Garderobe einen in Kerzenschein erleuchteten Raum. Der erste Blick fällt auf die güldenen Büffet-Kübel, Spiegel belegt mit Lachs und Dessertschalen. Der Raum selbst ist dekoriert mit edel angekleideten Menschen, die allesamt ein Lächeln auf den Lippen schmückt. Und das alles innerhalb der Backsteinwände des Forums, wo die Klotüre
n noch Klinken aus rotem Pl
astik haben.
Irgendwie sagt das schon eine ganze Menge aus: Ein edler Geist muss nicht in teurem Mantel stecken. Ehrenamtliches Engagement ist eben nicht an Geld und einem schicken Glasgebäude in der Innenstadt zu erkennen.
Wo diese zu finden sind, wird nach der Einführungsrede von den Vorsitzenden des Stadtjugendrings, Nicolas Alt und Heiko Großstück, sowie ein paar politischen Dankesworten des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Raufelder, in Diashows vorgestellt.
Die mit dem Essen geehrten halfen unter anderem bei Folgendem mit:
Projekt 1:Das Café Mint hat ein Herbstferienprojekt ins Leben gerufen. So wurde für einige Kinder ein Freizeitprogramm auf die Beine gestellt. Es gab Frühstück, „Mukki-Training“, Kerzen- und Auto-basteln sowie Feuerspucken. Gerade auch Kinder, die Zuhause nicht die ihnen gebührende Dosis Lob und Aufmerksamkeit bekommen, können bei so einem Programm Dinge erleben, die gut tun.
Projekt 2:Die Freireligiöse Jugend hat mit einem großen Halloween-Freizeit-Programm nicht nur verkleidet und gespukt, sondern auch begeistert.
Projekt 3: Die DPSG und die CVJM haben „Kochen mit Kids“ - eine Idee von Manfred Shita - durchgeführt. Hier wurde Kindern das Zubereiten von leckerem und gesunden Essen auf spielerische Weise beigebracht.
Projekt 4:Der Bund Lorién aus Rheinau lebt in Zeltstädten – aber nicht irgendwo, sondern mal in Italien, Schweden oder auf heimischen Auen. Zusammen wandern, kochen, spielen in der freien Natur.
An meinem Tisch sitzen Anna Kuchenbuch und Désirée Claus, die als Mitglieder der Evangelischen Jugendkirche Mannheim hierher geschickt wurden. Die beiden haben bei zwei Musicalproduktionen mitgemacht, deren Erlös an gemeinnützige Jugendprogramme der Kirche geflossen ist.
MaJO: „Was genau hab ihr gemacht?“
Anna: „Wir haben das Stück mit anderen zusammen geschrieben und speziell wir beide haben die Choreographie dazu gemacht.“
Désirée: „Dazu haben wir uns fast jeden Tag getroffen und bis zu vier Stunden am Tag getanzt. Das war manchmal auch wirklich anstrengend. Aber am Schluss hat es sich gelohnt.“
MaJO:“ Was motiviert euch, sowas überhaupt zu machen?“
Anna: "Der Spaß am Musical. Die ganze Arbeit macht uns generell einfach Spaß. (Zu Désirée) Dir auch?"
Désirée: „Ja (lächelt). Außerdem konnten wir mit dem Erlös alle Geld zusammenbringen, so dass eine Freundin mit auf ein Chorwochenende konnte. Das hätte sie ohne uns nicht gekonnt.“
MaJO: „Und wer leitet das Ganze?“
Anna: „Frau Ruth Würfel und der Ekki. Das Ganze ist eher freundschaftlich. Aber wenn’s mal nicht so läuft, wie die sich das vorgestellt haben, dann motzen sie auch mal. Aber sie sind nicht so wie Lehrer.“
MaJO: „Und wenn dann alles vorbei ist?“Anna: „Dann sind wir total erleichtert. Der ganze Stress fällt von einem ab.“
Désirée: „Und als Gruppe ist man dann auch schon fest zusammengewachsen.“
Einfach mal einen Abend lang zu sehen, dass es doch viel Gutes und Friedliches gibt, ist ein wahres Kontrastprogramm zu den sonstigen Nachrichten von Tod, Wirtschaftsversagen oder diversen Verbrechen. In der paniküberspannten Welt kann man seine Zeit auch immer noch mit Ehrenhaftem und Angenehmen verbringen – und mit ein bisschen Glück dafür sogar noch belohnt werden. „Ich sollte auch was ehrenamtliches machen.“, denke ich und esse noch ein Löffel von dem leckeren Mousse au Chocolat.